Es ist vollbracht! Gestern, am 18.November 2009 lud Karsten zu sich in die WG ein und das Thema lautete: EKEL.
Der Abend begann vergleichsweise harmlos mit dem 70er Jahre Kultfilm Pink Flamingos, in dem der extravagante Transvestit Divine, zusammen mit ihrer nach Eiern süchtigen, retardierten Mutter, ihrem kriminellen Sohn Crackers und dessen nicht minder krimineller Wegbegleiterin Cotton gegen das perverse Ehepaar Raymond und Connie Marble, das einen illegalen Baby-Schwarzmarkt betreibt, einen Wettstreit austrägt. Es geht um nichts Geringeres als den Titel der “filthiest person alive”. Schräge Menschen, gefärbte Schamhaare, unappetitlicher Fußfetischismus und viel hässliche, nackte Haut führten das Thema auf humorvolle Art gelungen ein. Vor allem die Fäkalien im Abspann waren eine gute Überleitung zum nächsten Film. Die 120 Tage von Sodom, ebenfalls ein Werk aus den 1970er Jahren, basierend auf dem gleichnamigen Buch des Marquis de Sade, spielt im faschistischen Italien. Gewaltsam entführte Männer und Frauen im jugendlichen Alter werden von der Führungsriege der sogenannten Republik von Salò auf einem Landsitz gefangen gehalten und dazu gezwungen der Obrigkeit in jedweder sexueller Hinsicht zu dienen. Regelverstöße werden strikt geahndet – nicht selten mit dem Tode. Der Film unterteilt sich in drei Segmente: Die Höllenkreise der Leidenschaft, der Scheiße und des Blutes – wobei vor allem der Scheiße eine fast huldigende Rolle zuteil wird. Kurz: Was gab´s zu sehen? Menschenunwürdiges Verhalten, Vergewaltigungen, Scheiße, noch mehr Scheiße, Folter, Mord, hässliche Täter, schöne Opfer. Der dritte und letzte Film an diesem Abend war schließlich Cannibal – Aus dem Tagebuch des Kannibalen (2006), der sich um die Ereignisse des Kannibalen Armin Meiwes und dessen Tötung an Bernd Jürgen Armando Brandes dreht. Die detailgetreue Darstellung der Sezierung beginnt zwar erst recht spät, eine bedrückende und spannend-nervige Atmosphäre entsteht jedoch von Anfang an durch die fehlenden Dialoge, die durchgehende Klaviermusik und das schlechte Equipment die Low-Budget-Produktion. Der Film ist nicht wirklich ein Kunstfilm, versucht aber einer zu sein – und scheitert dabei. Wie bei allen Filmen an diesem Abend ist auch hier die schauspielerische Leistung und die Story absolut zu vernachlässigen, Ekel erzeugte vor allem das verstörte, kannibalistisch-homosexuelle Verhältnis von Fleisch und Fleischer, das den Täter als schwaches Opfer darstellen lässt, sowie der schlussendliche Höhepunkt: Die Ausweidung. Eine menge Blut, abgetrennte Körperteile, ein Rumpf mit zu vielen Rippen (Schwein?), sowie ein Crashkurs als Fleischer rundeten den Abend perfekt ab und wir konnten alle glücklich nach Hause gehen, in freudiger Erwartung auf das nächste Thema.
Erkenntnis: Schöne (im Sinne von eklige) Filme, Soll zu 100% erfüllt, jedoch ist man als Mittzwanziger und Kind des Internetzeitalters irgendwie schwer abgehärtet. Egal ob goatse.cx, das 2Girlsonecup-Video oder rotten.com, den 70er Jahre Kino-Ekel schockt heute kein 14-jähriges Mädchen mehr. Leider.