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#2 VAMPIR – Ungeahnte Geschichten

Am gestrigen Abend traf sich unsre illustre Runde nun zum zweiten Filmabend. Dieses Mal bei Paul und da Jan und mir die EKEL-Überraschung noch im Gedächtnis war stieg die Spannung ins quasi Unermessliche.

Die Erwartungen waren hoch und der Gastgeber sah sich mit einem gewissen Leistungsdruck konfrontiert. Die Entscheidung viel auf das Thema VAMPIR. Wem nun sofort Bram Stokers Dracula, Van Helsing und andere bekannte Verfilmungen einfallen, der hat sich geirrt, das wäre zu nahe liegend gewesen. Zu Sehen waren an diesem Abend: Cronos (USA 1993) von Guillermo del Torro, Near Dark (USA 1987) von der Regisseurin Kathryn Bigelow und Vampiros Lesbos (BRD 1971) von Jesus Franco. Ohne Idee was uns mit und in diesen Filmen erwarten würde ging es dann los.

Cronos

Als Erstes fällt an dem jüngsten der drei Filme auf, dass er rein optisch nicht so erscheint. Die Machart erinnert eher an die guten alten 70er und auch die langsame Erzählweise des Films will nicht so Recht ins Jahr 1993 passen.

Guillermo del Torro verabschiedet sich in seinem Vampirfilm von den üblichen Methoden wie ein Mensch zu einem Vampir wird und was aus ihm nach der Infektion mit dem Vampirgift wird. Hier wird ein alter Antiquitätenhändler  mit dem Gift eines Käfers infiziert der in dem goldenen ‘Cronos’ seit 1500 Jahren eingeschmiedet ist. Dabei sieht der Cronos aus wie ein verunglücktes Fabergé-Ei. Erfunden wurde er allerdings zu dem Zweck ewiges Leben zu schenken, was durch die Fütterung des Käfers mit eigenen Blut geschieht, das mittels ausgeklügeltem Mechanismus entnommen wird und den Käfer zur Abgabe seines lebensverlängernden Giftes animiert.

Entdeckt der Antiquitätenhändler die Wirkung des Cronos geht das Spiel los, da die Maschine von einem krebskranken Industriellen begehrt wird, der den Alten durch seinen Neffen bedrohen lässt. Lustig wird der Film wenn der Handlanger des Kranken den Antiquitätenhändler ‘tötet’ (wie tötet man einen Untoten?) und dieser dann ganz in der Manier aus ‘Der Tod steht ihr gut’ als verwesender Zombie durch die Stadt zieht um sich zu rächen und zu sterben. Klassisch an der Geschichte in Bezug zum Vampirmythos sind die Unverträglichkeit von Sonnenlicht und der Tod durch den Pflock im Herzen, außerdem noch eine unstillbare Lust auf Blut. Dieser Lust gibt sich der neue Vampir jedoch nicht hin, da er selbst gar nicht bemerkt was er ist. Erst durch das Verhalten seiner stummen Enkelin beginnt er die Situation zu realisieren.

Im Prinzip ist die Geschichte nicht besonders aufregend und auch die Schauspieler gaben sich keine große Mühe einen Oscar zu erspielen, aber der Erzählstil del Tossos macht den Film auf jeden Fall sehenswert, ebenso die Lokalisierung in Mexiko und die Tatsache dass eine der Hauptpersonen, besagte Eneklin, nur einmal im Film spricht. Letztendlich wird der Cronos zerstört und die die es verdient haben zu sterben tun dies zu unserer Zufriedenheit auch bis zum Schluß des Filmes. Unvergessen wird mir die Szene beim Bestatter bleiben, der den ermordeten Untoten für die Aufbahrung ‘her’richtet.

Near Dark

Vorsichtig gesagt ist der Film ein Roadmovie mit Vampiren. Was mich im Nachhinein besonders überrascht hat ist, dass er von einer Regisseurin stammt, da das Ende doch recht splattermäßig gestaltet ist.

Der Film spielt in Texas, wo ein treudoofer Howdyboy eine Anhalterin aufgabelt die sich als Vampir entpuppt und ihn zum Ende der Nacht mit einem klassischen Biss in den Hals zu einem der Ihren macht. Kompliziert wird die Sache, wenn das Jüngelchen nach Hause läuft und in der Sonne anfängt zu verbruzzeln. Da kommt die Assi-Vampirfamilie in ihrem Wohnmobil (siehe Pink Flamingos) vorbei und entführt den Cowboy vor den Augen seiner Schwester und seines, wie sich noch zeigen wird medizinisch äußerst begabten, Vaters.

Nachdem der Vampirclan beschlossen hat den Zuwachs zu behalten und nicht zu töten wird dieser in die Kunst des Tötens eingewiesen. Vater- und Muttervampir tuen sich an kriminellen Anhaltern gütlich, während der kleine Bruder, Homer, alles nimmt was wegen ihm anhält und der große Bruder sich mit vergnügungslustigen Damen beschäftigt. Vampirgirl indessen schafft es nicht ihren Cowboy, der inzwischen von Menschenschwester und Vater gesucht wird, dazu zu bringen sich sein Essen selbst zu erlegen.

Der groß Showdown beginnt wenn der Junge von seiner Familie zurückgeholt wird und sein Vater es schafft ihn vom Vampirismus, der hier dann wohl eher als Krankheit angesehen wird, durch Infusionen und Bluttransfusionen geheilt wird. Nun muss aber noch der große Kampf Mensch gegen Vampir kommen, der ganz zu unserer Freude dann auch mit vielen Explosionen, Verfolgungsjagden und explodierenden Vampiren von Statten ging. Dass am Ende das Vampirgirl natürlich auch geheilt wird und sich die beiden bekommen muss nicht wirklich erwähnt werden.

In Teilen erinnert der Film stark an From Dusk till Dawn, was aber eher an der Location und dem Roadmoviecharakter liegt als an der Qualität des Filmes. Besonders interessant finde ich ihn nun allerdings, weil er von einer Filmemacherin ist. Ganz ehrlich hätte ich nicht gedacht dass Frauen so einen Vampirfilm machen würden, was nicht daran liegt, dass ich Frauen keinen Geschmack oder Kunstsinn zutraue sondern wohl eher daran dass ich immer noch unter den Nachwirkungen von Twilight zu leiden habe.

Vampiros Lesbos

Der krönende Abschluß war ein Film von dem wir nicht ganz sicher waren ob es ein ernst zu nehmender Kunstfilm ist oder doch eher ein 70er-Softporno a la Emanuelle oder Ähnlichem, worauf die IMDB-Statistik der Darsteller eher schließen lassen würde.

In dem Film geht es um die homoerotische Beziehung und Abhängigkeit zwischen 3 Frauen, von denen die Eine direktes Opfer von Dracula himself war. Ziel des Regisseures war es wohl so viele nackte Frauen wie nur möglich zu zeigen und diese in möglichst schlüpfrigen Situationen und Positionen in Slowmotion in Szene zu setzen.

Die Story ist schnell erzählt … Gräfin Dracula, im wahren Leben Nackttänzerin, beißt eine Frau, deren Freund a eifersüchtig und b rachsüchtig ist. Nach irrwitzigen Szenen a la ‘warum liegt hier eigentlich Stroh rum’ werden die Gräfin und ihr Buttler Morpho um die Ecke gebracht und das wiedervereinte Pärchen kann von Lesbos zurück nach Istanbul schippern, wo die Story begann.

Das Besondere und absolut Sehenswerte an diesem Film ist die Ausstattung, der Schnitt, die Kameraführung und die unterirdische Leistung der Schauspieler. Wir haben selten so gelacht … hin und wieder fühlte man sich auch an Pink Flamingos erinnert. Vampiros Lesbos schafft es tatsächlich mehr unscharfe Einstellung und verwackelte Bilder zu bringen als die Kindercam bei 1, 2 oder 3. Das Setting in 70er-Jahre Lusthöhlen, die aus rieseigen Betten bestehen und von deren Decken rote Quasten baumeln ist dafür überirdisch. James Bond wäre zu den Zeiten über so viel kuscheliges Interieur glücklich gewesen, gerade bei der Konfrontation mit den beiden hemmungslosen Damen. Was mich direkt zur schauspielerischen Leistung bringt. Regte ich mich vor eineinhalb Wochen noch über mangelnde Gesichtsausdrücke in Twilight auf, hier gibt es pro Person maximal einen Gesichtsausdruck, GRADIOS sage ich da nur! Die unpassenden und psychedelischen Schnitte lasse ich nun mal aus und komme direkt zu dem Schluß, dass Vampiros Lesbos bei allen Mängeln das größte Potential hat ein Klassiker unserer Filmrunde zu werden, ich bin mir sicher dass der zum 10-Jährigen Bestehen wieder gezeigt wird …

Fazit

Die Filme des Abends waren zwar weniger speziell als die Ekel-Filme, wurden ihrem Thema und ihren unterhaltenden Auftrag aber mehr als gerecht.

Interessanterweise tauchen in allen Filmen unterschiedliche Arten von Vampiren auf, die auch alle mit anderen Fähigkeiten und Schwächen ausgestattet sind. So können beispielsweise die Vampire in Vampiros Lesbos in der Sonne liegen und durch Wände laufen, während die Sonne in den anderen beiden Filmen todbringendes Gestirn ist. Der Blutdurst ist in allen Filmen gegeben, immerhin ist dies auch das entscheidende Definitionsmerkmal für einem Vampir.

Ich für meinen Teil habe drei völlig unterschiedliche und auch unerwartete Filme zum Thema Vampir gesehen und bin durchaus geneigt zu empfehlen sich alle drei bei bietender Gelegenheit an zu schauen. Warum nicht ein großes Thema abseits der Mainstreamverarbeitung und in anderen Rangehensweisen neu ersehen? :)

In diesem Sinne bereite ich mich nun auf meinen großen Abend vor und recherchiere weiter.

Keep on watching and reading …

Cheers

Bjørn

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#1 Ekel – Rezeption

Moin,

ich versuch jetzt mal von der Beschreibung des Abends einen Schritt weiter zu gehen. Ich habe ein wenig über unsere Rezeption der Filme nachgedacht. Ich will damit beginnen, wie ich auf die Filme gekommen bin. Ich habe mich aus Interesse via Wikipedia mit Kannibalismus beschäftigt und bin so natürlich auch auf diesen Rothenburger Fall gekommen (der nur so nebenbei, garnicht so heftig ist, es gibt noch viel heftigere Fälle, die aber das Interesse nicht so geweckt habe, weil die Opfer meistens nicht verlangt haben gegessen zu werden). So stieß ich auf den Film Cannibal und mit dem Keyword „indiziert“ hat er natürlich meine Aufmerksamkeit erregt. Es gibt keine Trailer im Netz, deswegen habe ich mir alle Comments auf IMDb durchgelesen. In diesen Comments kamen dann Sätze vor wie „Schaut ihn euch nicht an“, „Der ekelhafteste Film den ich je gesehen habe“, „Schlimmer als…“. Ja und bei den schlimmer als, wurden dann Salò und Pink Flamingos erwähnt, was natürlich sofort meine Interesse weckte.

So nun frage ich mich, warum wollte ich diese Filme sehen. Warum war dann nach den Filmen eine kleine Entäuschung vorhanden, weil sie doch nich so eklig waren, wie ich mir das erhofft habe. Ich glaube, dass niemand von uns selbst zu solchen Taten fähig wäre, trotzdem hatten wir alle Spaß uns sowas auf dem Fernsehbildschirm bei Chips und Bier anzuschauen.

Als ich 15 war bin ich erstmals auf Snuff-Filme aufmerksam geworden und habe ein bisschen was davon gesehen, habe aber nicht weiter geguckt, weil ich nicht entscheiden konnte ob es echt oder fake war. Bei twogirlsonecup ist das ähnlich. Haben uns diese Filme nur deswegen nicht so schockiert, weil wir wußten, dass es nicht echt ist, was dargestellt wird?

Ich glaube da entsteht für Kunst ein echtes Problem, denn Kunst soll ja auch schockieren und kontrovers sein und man soll sich ja auch immer mal die Frage stellen ob sowas wirklich so liberal behandelt werden soll, oder ob das indiziert werden soll (was jedoch lächerlich ist, weil den Cannibal zu bekommen war über diverse Wege problemlos machbar). Wenn Kunst nur noch schockiert, wenn sie echt ist oder zumindest den Anschein hat, dass es echt sein könnte, ergibt sich ein Dilemma. Denn um wirklich echt Verbrechen nachzustellen, muss man sie ja begehen.

Ist es gut, dass wir so abgehärtet sind? Eine weitere kleine Anekdote aus meiner Jugend im Osten dieses Landes. Irgendwann war ich in der Bibliothek meines damaligen Gymnasiums und fand einen Bildband. Er zeigte Bilder von BRD-Deutschen Soldaten im Kongo, wie sie Leichen schänden, wie unschuldige Kinder sterben und hungern. Dazu Bildunterschriften wozu die Anti-Kommunisten alles fähig sind. Die Bilder wirkten alle sehr echt und ich glaube auch bis heute, dass die Bilder echt waren. Mich hat es damals schockiert, denn ich wusste natürlich aus Anti-Kriegsfilmen und dem Geschichtsunterricht, das Krieg schrecklich ist und das Menschen in solchen Situationen zu allem fähig sind, aber das war alles nur theoretisch oder fiktional bzw. nachgestellt. Die Bilder waren echt.

Man kann sehen, das die Leute im Moment, wirklich nur vom Hocker gehauen werden können, wenn sie sich vormachen können, dass es eventuell echt ist (man denke den semi-dokumentarischen Stil von Unterhaltung wie Blair Witch, Muxmäuschenstill oder gar Stromberg).

Im Prinzip haben wir dadurch ja genau, dass erreicht was bei Salò gefordert wird. Wir sind von unseren Hemmungen befreit (also zumindest im Kopf.. sowas real zu machen ist sicherlich noch eine andere Geschichte), die Frage ist, welche Rolle bei Salò wir spielen. Die gefangenen Jugendlichen, die das irgendwie gegen ihren willen erfahren (manchmal sieht man ja was im Netz, dass man nicht unbedingt sehen wollte) und entweder traumatisiert werden, irgendwie seltsam gefallen daran finden oder ganz abdriften, in einer Traumwelt leben und anfangen zu tanzen oder ob wir die Ausführenden sind, die ihren Perversionen freien lauf lassen und keine Rücksicht auf das jeweilige Opfer nehmen.

Schöne neue Freiheit, gewonnen durch das Internet und nichtmal gewusst, dass man diese Freiheit haben wollte. Da könnte man jetzt diese lange Diskussion über Internetsperren auspacken, aber das sollen andere machen. Ich frage mich nur selbst, warum ich nicht mehr schockiert werden kann und ob dadurch nicht etwas verloren geht. Vielleicht sitzen unsere Kinder irgendwann Sonntags emotionslos mit uns auf dem Sofa und wir gucken den neusten Pornokrimi vom ZDF. Die neue Familienidylle, den konservativen Parteien Deutschlands wird’s gefallen.

Morgens wird’s kalt

Karsten

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#1 EKEL – Thoughts

Der erste vollständige Abend unseres illustren Kreises fand unter dem Großthema EKEL statt, auch wenn sich im Laufe des Abends diverse Subthemen identifizieren ließen. Darunter in etwa: Sex, Perversion und Fäkalien … In jedem Fall wurden die drei Filme des Abends ihrem von Karsten verliehenen Motto in unterschiedlichster Weise gerecht.

Pink Flamingos

Man kann den Film mit Recht als Klassiker des Ekelklamauks bezeichnen. Mit einem geradezu lächerlichen Budget drehte John Waters (u.a. Hairspray und Serial Mom) diesen Film im Jahre 1972 und man ist sich nicht ganz sicher, wie er es schaffte den Film tatsächlich in die Kinos zu bringen, einen offiziellen Verleiher gibt es jedenfalls nicht. Die Story ist schnell erzählt, es geht um den Kampf zweier Familien die ‘most filthiest persons alive’ zu sein. Dabei reichen ihre Waffen von der Verschickung eines Päckchens mit Exkrementen, dem Ablecken der ganzen Wohnungseinrichtung des Anderen und letztendlich des Teeren, Federns und Erschießens des Gegners. Zu den ‘Ekelhöhepunkten’ von Pink Flamingos zählen definitv die Penetration eines Huhns dem dabei der Kopf abgerissen wird, die Geburtstagsparty von Divine und die Endsequenz des Films in der Divine Hundekot isst. Wobei wir in der anschließenden kurzen Diskussion auch zu dem Schluß kamen dass allein der Anblick von Divine oder beispielsweise ihrer Mutter schon Ekel genug hervorrufen kann … Pink Flamingos ist vielleicht kein Film für einen 0815-Filmabend, aber mit Sicherheit sehenswert.

Die 120 Tage von Sodom

Im Original ‘Salò o le 120 giornate di Sodoma’ von 1976. Dieser Film ist in seiner Rezeption schon etwas schwerer. Es geht auf jeden Fall um vier italienische Nazis, die sich zusammen mit vier Edelhuren einen Harem an Jungs und Mädchen suchen, um mit ihnen einen Art Herrenrasse zu züchten bzw. ihre perversen Sexualtriebe zu verwirklichen. Der Film verläuft, ähnlich wie Antichrist, in Kapiteln. Der retardierende Moment der Handlung ist zugleich aber auch ein handlungsgebender Moment, dabei handelt es sich  jeweils um eine erzählte Episode aus dem Leben einer der Edelhuren, die ganz im Stile des Marquis de Sade gehalten ist. Die Erzählerin wird von einem Klavier begleitet und diese Episoden muten teilweise wie ein Traumsequenz an. Anschließend werden die beschriebenen Praktiken in die Tat umgesetzt. Dabei handelt es sich um Gruppensex, Analverkehr, homo- und heterosexuellen Sex bis hin zum gemeinsamen Diner von Exkrementen. Der Film endet mit der Tötung der Jugendlichen, die gegen die Regeln ihrer Entführer verstoßen haben und ganz im Sinne E.A. Poes (’Die Strafe für die Sünde ist der Tod’) werden die ‘Verbrecher’ auf bestialische Weise hingerichtet.

Der Film ist am Ehesten ein Kustfilm. Die Kulisse und die begleitende Musik sind mit bedacht gewählt und geben dem Film eine besondere Ästhetik. Ich fühlte mich teilweise an Picnic at Hangig Rock von Peter Weir erinnert. Das Perverse bzw. der Ekel an dem Film sind nicht unbedingt die dargestellten Handlungen und Ideen der vier Nazis, sondern viel eher die Gewissheit, dass genau solche Dinge unter faschistischen Regimen möglich und Realität waren. Dem katholischen Italien wird in dem Film nicht nur duch den Spielort Rechnung getragen, sondern auch in der Eigenartigkeit, dass ständig Hochzeiten statt finden,  ohne auf Geschlecht oder vorhergegangene Vermählungen zu achten – hauptsache Hochzeit.

Cannibal

Der Höhepunkt des Abends war dann der 2006er, auf der Geschichte des Kannibalen von Rothenburg basierende Film Cannibal. Im Prinzip wussten wir alle was auf uns zu kommen sollte, als wir den Titel genannt bekamen, doch der Film erfüllte in höchter Weise seinen Auftrag uns zu ekeln. Hier tun sich wirklich die Abgründe menschlichen Denkens und menschlichen Verlangens auf. Man fragt sich wie es dazu kommt, dass sich ein Mensch tatsächlich wünschen kann gegessen zu werden, geschweige denn einen anderen Menschen zu schlachten, zu kochen und dann zu essen.

Es ist komischerweise ein ruhiger Film, der sich diese Ruhe auch bis zum Ende erhält. Beginnend mit der Suche des ‘Mannes’ nach seinem ‘Fleisch’, die sich als nicht sehr einfach gestaltet. Fragmentarisch sieht man Treffen mit potentiellen Kandiaten und Fetzen von Chats im Internet. Letztendlich finden und treffen sich Mann und Fleisch, wie sie im Abspann genannt werden. Es entwickelt sich eine quasi romantische Beziehung zwischen den beiden Männern. Irgendwann fordert das Fleisch dann danch endlich zum Punkt zu kommen und nach mehreren Anläufen kommt es dann  zur Entmannung und zum gemeinsamen Verspeisen des Penises des Fleisches. Spätestens jetzt waren wir im Bann des Ekels gefangen … die Gewissheit, dass sich diese Geschichte tatsächlich so zugetragen hat macht diesen Film mehr als gruselig. Im Prinzip steht er Exemplarisch für eine Gesellschaft in der es keine Tabus mehr gibt, das Verlangen nach mehr und exotischerer Befriedung immer größer wird und die Möglichkeiten diese zu befriedigen immer häufiger werden. Das ersterben des Fleisches und die Schlachtung kann man nur noch nebenbei wahr nehmen. Die Identifikation von Fehlern (zu viele Rippen beim Opfer …) war meiner Meinung nach unser Versuch und zu vergegenwärtigen dass da ein Tier geschlachtet wird und nicht gerade wirklich die Ausweidung eines Menschen von Statten geht.

Fazit

Das Thema Ekel wurde in jedem Film erfüllt. Pink Flamingos ekelt durch aberwitzige Charaktere und Ideen, Die 120 Tage von Sodom schafft dies duch die Darstellung dessen was ein Mensch einem anderen antun kann, nur um seine Phantasien zu befriedigen und Cannibal ekelt zusätzlich noch durch die Darstellung dessen, was sich ein Mensch antun lässt um seine Phantasie Realität werden zu lassen, nicht zu vergessen dass es zu 100% ein Film basierend auf wahren Begebenheiten ist.

Ich schließe mich Jan in seinem Fazit an … auch wenn man sich noch ekelt und geschockt ist, der Grad der Abhärtung hat in den Zeiten des Internets und der unbeschränkten Berichterstattung in allen Medien zugenommen, was vor 20 Jahren die Menschen noch tief getroffen hat wird von uns heute vielleicht nur noch mit einer hochgezogenen Augenbraue wahr genommen.

Nun arbeite ich auf Hochtouren an meinem Thema und freue mich schon auf den kommenden Themenabend unter der Fehderführung von Paul …

Cheers

Bjørn

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#1 EKEL

Es ist vollbracht! Gestern, am 18.November 2009 lud Karsten zu sich in die WG ein und das Thema lautete: EKEL.

Der Abend begann vergleichsweise harmlos mit dem 70er Jahre Kultfilm Pink Flamingos, in dem der extravagante Transvestit Divine, zusammen mit ihrer nach Eiern süchtigen, retardierten Mutter, ihrem kriminellen Sohn Crackers und dessen nicht minder krimineller Wegbegleiterin Cotton gegen das perverse Ehepaar Raymond und Connie Marble, das einen illegalen Baby-Schwarzmarkt betreibt, einen Wettstreit austrägt. Es geht um nichts Geringeres als den Titel der “filthiest person alive”. Schräge Menschen, gefärbte Schamhaare, unappetitlicher Fußfetischismus und viel hässliche, nackte Haut führten das Thema auf humorvolle Art gelungen ein. Vor allem die Fäkalien im Abspann waren eine gute Überleitung zum nächsten Film. Die 120 Tage von Sodom, ebenfalls ein Werk aus den 1970er Jahren, basierend auf dem gleichnamigen Buch des Marquis de Sade, spielt im faschistischen Italien. Gewaltsam entführte Männer und Frauen im jugendlichen Alter werden von der Führungsriege der sogenannten Republik von Salò auf einem Landsitz gefangen gehalten und dazu gezwungen der Obrigkeit in jedweder sexueller Hinsicht zu dienen. Regelverstöße werden strikt geahndet – nicht selten mit dem Tode. Der Film unterteilt sich in drei Segmente: Die Höllenkreise der Leidenschaft, der Scheiße und des Blutes – wobei vor allem der Scheiße eine fast huldigende Rolle zuteil wird. Kurz: Was gab´s zu sehen? Menschenunwürdiges Verhalten, Vergewaltigungen, Scheiße, noch mehr Scheiße, Folter, Mord, hässliche Täter, schöne Opfer. Der dritte und letzte Film an diesem Abend war schließlich Cannibal – Aus dem Tagebuch des Kannibalen (2006), der sich um die Ereignisse des Kannibalen Armin Meiwes und dessen Tötung an Bernd Jürgen Armando Brandes dreht. Die detailgetreue Darstellung der Sezierung beginnt zwar erst recht spät, eine bedrückende und spannend-nervige Atmosphäre entsteht jedoch von Anfang an durch die fehlenden Dialoge, die durchgehende Klaviermusik und das schlechte Equipment die Low-Budget-Produktion. Der Film ist nicht wirklich ein Kunstfilm, versucht aber einer zu sein – und scheitert dabei. Wie bei allen Filmen an diesem Abend ist auch hier die schauspielerische Leistung und die Story absolut zu vernachlässigen, Ekel erzeugte vor allem das verstörte, kannibalistisch-homosexuelle Verhältnis von Fleisch und Fleischer, das den Täter als schwaches Opfer darstellen lässt, sowie der schlussendliche Höhepunkt: Die Ausweidung. Eine menge Blut, abgetrennte Körperteile, ein Rumpf mit zu vielen Rippen (Schwein?), sowie ein Crashkurs als Fleischer rundeten den Abend perfekt ab und wir konnten alle glücklich nach Hause gehen, in freudiger Erwartung auf das nächste Thema.

Erkenntnis: Schöne (im Sinne von eklige) Filme, Soll zu 100% erfüllt, jedoch ist man als Mittzwanziger und Kind des Internetzeitalters irgendwie schwer abgehärtet. Egal ob goatse.cx, das 2Girlsonecup-Video oder rotten.com, den 70er Jahre Kino-Ekel schockt heute kein 14-jähriges Mädchen mehr. Leider.

 

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