Am gestrigen Abend traf sich unsre illustre Runde nun zum zweiten Filmabend. Dieses Mal bei Paul und da Jan und mir die EKEL-Überraschung noch im Gedächtnis war stieg die Spannung ins quasi Unermessliche.

Die Erwartungen waren hoch und der Gastgeber sah sich mit einem gewissen Leistungsdruck konfrontiert. Die Entscheidung viel auf das Thema VAMPIR. Wem nun sofort Bram Stokers Dracula, Van Helsing und andere bekannte Verfilmungen einfallen, der hat sich geirrt, das wäre zu nahe liegend gewesen. Zu Sehen waren an diesem Abend: Cronos (USA 1993) von Guillermo del Torro, Near Dark (USA 1987) von der Regisseurin Kathryn Bigelow und Vampiros Lesbos (BRD 1971) von Jesus Franco. Ohne Idee was uns mit und in diesen Filmen erwarten würde ging es dann los.

Cronos

Als Erstes fällt an dem jüngsten der drei Filme auf, dass er rein optisch nicht so erscheint. Die Machart erinnert eher an die guten alten 70er und auch die langsame Erzählweise des Films will nicht so Recht ins Jahr 1993 passen.

Guillermo del Torro verabschiedet sich in seinem Vampirfilm von den üblichen Methoden wie ein Mensch zu einem Vampir wird und was aus ihm nach der Infektion mit dem Vampirgift wird. Hier wird ein alter Antiquitätenhändler  mit dem Gift eines Käfers infiziert der in dem goldenen ‘Cronos’ seit 1500 Jahren eingeschmiedet ist. Dabei sieht der Cronos aus wie ein verunglücktes Fabergé-Ei. Erfunden wurde er allerdings zu dem Zweck ewiges Leben zu schenken, was durch die Fütterung des Käfers mit eigenen Blut geschieht, das mittels ausgeklügeltem Mechanismus entnommen wird und den Käfer zur Abgabe seines lebensverlängernden Giftes animiert.

Entdeckt der Antiquitätenhändler die Wirkung des Cronos geht das Spiel los, da die Maschine von einem krebskranken Industriellen begehrt wird, der den Alten durch seinen Neffen bedrohen lässt. Lustig wird der Film wenn der Handlanger des Kranken den Antiquitätenhändler ‘tötet’ (wie tötet man einen Untoten?) und dieser dann ganz in der Manier aus ‘Der Tod steht ihr gut’ als verwesender Zombie durch die Stadt zieht um sich zu rächen und zu sterben. Klassisch an der Geschichte in Bezug zum Vampirmythos sind die Unverträglichkeit von Sonnenlicht und der Tod durch den Pflock im Herzen, außerdem noch eine unstillbare Lust auf Blut. Dieser Lust gibt sich der neue Vampir jedoch nicht hin, da er selbst gar nicht bemerkt was er ist. Erst durch das Verhalten seiner stummen Enkelin beginnt er die Situation zu realisieren.

Im Prinzip ist die Geschichte nicht besonders aufregend und auch die Schauspieler gaben sich keine große Mühe einen Oscar zu erspielen, aber der Erzählstil del Tossos macht den Film auf jeden Fall sehenswert, ebenso die Lokalisierung in Mexiko und die Tatsache dass eine der Hauptpersonen, besagte Eneklin, nur einmal im Film spricht. Letztendlich wird der Cronos zerstört und die die es verdient haben zu sterben tun dies zu unserer Zufriedenheit auch bis zum Schluß des Filmes. Unvergessen wird mir die Szene beim Bestatter bleiben, der den ermordeten Untoten für die Aufbahrung ‘her’richtet.

Near Dark

Vorsichtig gesagt ist der Film ein Roadmovie mit Vampiren. Was mich im Nachhinein besonders überrascht hat ist, dass er von einer Regisseurin stammt, da das Ende doch recht splattermäßig gestaltet ist.

Der Film spielt in Texas, wo ein treudoofer Howdyboy eine Anhalterin aufgabelt die sich als Vampir entpuppt und ihn zum Ende der Nacht mit einem klassischen Biss in den Hals zu einem der Ihren macht. Kompliziert wird die Sache, wenn das Jüngelchen nach Hause läuft und in der Sonne anfängt zu verbruzzeln. Da kommt die Assi-Vampirfamilie in ihrem Wohnmobil (siehe Pink Flamingos) vorbei und entführt den Cowboy vor den Augen seiner Schwester und seines, wie sich noch zeigen wird medizinisch äußerst begabten, Vaters.

Nachdem der Vampirclan beschlossen hat den Zuwachs zu behalten und nicht zu töten wird dieser in die Kunst des Tötens eingewiesen. Vater- und Muttervampir tuen sich an kriminellen Anhaltern gütlich, während der kleine Bruder, Homer, alles nimmt was wegen ihm anhält und der große Bruder sich mit vergnügungslustigen Damen beschäftigt. Vampirgirl indessen schafft es nicht ihren Cowboy, der inzwischen von Menschenschwester und Vater gesucht wird, dazu zu bringen sich sein Essen selbst zu erlegen.

Der groß Showdown beginnt wenn der Junge von seiner Familie zurückgeholt wird und sein Vater es schafft ihn vom Vampirismus, der hier dann wohl eher als Krankheit angesehen wird, durch Infusionen und Bluttransfusionen geheilt wird. Nun muss aber noch der große Kampf Mensch gegen Vampir kommen, der ganz zu unserer Freude dann auch mit vielen Explosionen, Verfolgungsjagden und explodierenden Vampiren von Statten ging. Dass am Ende das Vampirgirl natürlich auch geheilt wird und sich die beiden bekommen muss nicht wirklich erwähnt werden.

In Teilen erinnert der Film stark an From Dusk till Dawn, was aber eher an der Location und dem Roadmoviecharakter liegt als an der Qualität des Filmes. Besonders interessant finde ich ihn nun allerdings, weil er von einer Filmemacherin ist. Ganz ehrlich hätte ich nicht gedacht dass Frauen so einen Vampirfilm machen würden, was nicht daran liegt, dass ich Frauen keinen Geschmack oder Kunstsinn zutraue sondern wohl eher daran dass ich immer noch unter den Nachwirkungen von Twilight zu leiden habe.

Vampiros Lesbos

Der krönende Abschluß war ein Film von dem wir nicht ganz sicher waren ob es ein ernst zu nehmender Kunstfilm ist oder doch eher ein 70er-Softporno a la Emanuelle oder Ähnlichem, worauf die IMDB-Statistik der Darsteller eher schließen lassen würde.

In dem Film geht es um die homoerotische Beziehung und Abhängigkeit zwischen 3 Frauen, von denen die Eine direktes Opfer von Dracula himself war. Ziel des Regisseures war es wohl so viele nackte Frauen wie nur möglich zu zeigen und diese in möglichst schlüpfrigen Situationen und Positionen in Slowmotion in Szene zu setzen.

Die Story ist schnell erzählt … Gräfin Dracula, im wahren Leben Nackttänzerin, beißt eine Frau, deren Freund a eifersüchtig und b rachsüchtig ist. Nach irrwitzigen Szenen a la ‘warum liegt hier eigentlich Stroh rum’ werden die Gräfin und ihr Buttler Morpho um die Ecke gebracht und das wiedervereinte Pärchen kann von Lesbos zurück nach Istanbul schippern, wo die Story begann.

Das Besondere und absolut Sehenswerte an diesem Film ist die Ausstattung, der Schnitt, die Kameraführung und die unterirdische Leistung der Schauspieler. Wir haben selten so gelacht … hin und wieder fühlte man sich auch an Pink Flamingos erinnert. Vampiros Lesbos schafft es tatsächlich mehr unscharfe Einstellung und verwackelte Bilder zu bringen als die Kindercam bei 1, 2 oder 3. Das Setting in 70er-Jahre Lusthöhlen, die aus rieseigen Betten bestehen und von deren Decken rote Quasten baumeln ist dafür überirdisch. James Bond wäre zu den Zeiten über so viel kuscheliges Interieur glücklich gewesen, gerade bei der Konfrontation mit den beiden hemmungslosen Damen. Was mich direkt zur schauspielerischen Leistung bringt. Regte ich mich vor eineinhalb Wochen noch über mangelnde Gesichtsausdrücke in Twilight auf, hier gibt es pro Person maximal einen Gesichtsausdruck, GRADIOS sage ich da nur! Die unpassenden und psychedelischen Schnitte lasse ich nun mal aus und komme direkt zu dem Schluß, dass Vampiros Lesbos bei allen Mängeln das größte Potential hat ein Klassiker unserer Filmrunde zu werden, ich bin mir sicher dass der zum 10-Jährigen Bestehen wieder gezeigt wird …

Fazit

Die Filme des Abends waren zwar weniger speziell als die Ekel-Filme, wurden ihrem Thema und ihren unterhaltenden Auftrag aber mehr als gerecht.

Interessanterweise tauchen in allen Filmen unterschiedliche Arten von Vampiren auf, die auch alle mit anderen Fähigkeiten und Schwächen ausgestattet sind. So können beispielsweise die Vampire in Vampiros Lesbos in der Sonne liegen und durch Wände laufen, während die Sonne in den anderen beiden Filmen todbringendes Gestirn ist. Der Blutdurst ist in allen Filmen gegeben, immerhin ist dies auch das entscheidende Definitionsmerkmal für einem Vampir.

Ich für meinen Teil habe drei völlig unterschiedliche und auch unerwartete Filme zum Thema Vampir gesehen und bin durchaus geneigt zu empfehlen sich alle drei bei bietender Gelegenheit an zu schauen. Warum nicht ein großes Thema abseits der Mainstreamverarbeitung und in anderen Rangehensweisen neu ersehen? :)

In diesem Sinne bereite ich mich nun auf meinen großen Abend vor und recherchiere weiter.

Keep on watching and reading …

Cheers

Bjørn

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